Musiktradition

Pioniere der ersten Stunde

Musikpioniere der ersten Stunde waren Gustav Curth und Günther Koblenz. Sie bekamen den Zuschlag der Stadt, die Spielmöglichkeit im Pavillon in bevorzugter Weise zu nutzen. Bis 1920 übernahmen sie die Gestaltung der sonntäglichen Platzmusiken. Gustav Curth war seinerzeit Musikdirektor des ältesten Privatorchesters in Leipzig und Kapellmeister des Krystall-Palast-Theaters, der damals größten Vergnügungsstätte Deutschlands. In den Jahren zwischen 1914 bis 1920 baten immer wieder andere Kapellmeister erfolglos um Berücksichtigung bei der Vergabe der Platzmusiken.

Das Garnisonkommando stellte jeden Freitag ein Musikkorps im Pavillon für ein bis zwei-­stündige Konzerte von Mai bis Oktober. Das Musikkorps des 8. Königl.-­Sächs. Infanterie-­Regiments Nr. 107 „Prinz Johann Georg“ übernahm mehrere Jahre unter der Leitung ihres Musikdirektors Karl Giltsch diese Konzerte. Der Musikkorps gehörte von 1901-­1945 zu den beliebtesten Militärkapellen in Leipzig. Bei schönem Wetter besuchten nachweislich bis zu 2.000 Menschen die Konzerte. An Regentagen waren es nicht weniger als 700.

Der Rat der Stadt beschloss durch die Erhöhung des Musikertarifs die Freitagskonzerte entfallen zu lassen. Die Sonntagskonzerte im Musikpavillon mussten später wegen zu hoher Kosten und anhaltender Inflation ganz eingestellt werden. Der Beschluss wurde im April 1920 per Zeitungsartikel veröffentlicht.

Bürger engagieren sich für den Musikpavillon

1920 drückte der Deutsche Musiker-­Verband in einem Schreiben an die Stadtverordneten sein Bedauern über die eingestellten Konzerte aus. Gerade der sonntägliche Besuch im König-­Albert-­Park gehöre zum Lebensgefühl „ungezählter Tausender aller Bevölkerungsschichten“. Nach einer öffentlichen Entrüstung über den Wegfall der Platzmusiken stimmten Stadtverordnete im Januar 1921 einstimmig für eine Erhöhung der Mittel auf 7000 M. Vorerst gelang es der Bürgerschaft damit die beliebten Konzerte beizubehalten. Der Orchesterverein „Harmonie“ unter seinem Vorsitzenden Franz Freitag verzichtete als einer der ersten Orchester bei ihren Auftritten auf ihre Gage. Hinzu kam die Bereitschaft vom Schulamt, Gesangsaufführungen von Schulklassen in den Musikpavillon zu verlegen.

Die Kosten der Instandhaltung des Musikpavillons selbst und des Geländes waren verhältnismäßig hoch. Deshalb verpachtete die städtische Gartendirektion 1931 den Kulturstandort erstmals an eine Firma, die Firma Rothe und Ballschuh. Das Brunnenwasser durfte der Pächter an Parkbesucher verkaufen. Im Gegenzug wurde dieser beauflagt die Platzmusiken auf eigene Kosten beizubehalten.

So begann das Engagement von privatwirtschaftlichen und anderen Bürgerinitiativen zum Erhalt des Kulturstandortes im König-Albert-Park, dem heutigen Clara-Zetkin-Park.